Der Schweizerische Zivildienstverband CIVIVA setzt sich für den Erhalt und den Ausbau des Zivildienstes ein. Der Zivildienst ist ein Dienst an der Gesellschaft. Davon profitieren nicht nur die jungen Dienstleistenden, davon profitieren alle!

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Verleihung des 8. Prix CIVIVA

Mit der Verleihung des 8. Prix CIVIVA wird am 2. Oktober 2020 das 100-jährige Engagement des Service Civil International (SCI) honoriert. Die Laudatio wird von Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss gehalten. Moderiert wird die Preisverleihung von Lisa Mazzone, Co-Präsidentin von CIVIVA und Ständerätin.

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Dienstpflicht als Ganzes stärken

Corina Gredig politisiert für die GLP im Nationalrat und engagiert sich für den Zivildienst. Gregor Szyndler interviewte sie.

Wie hast du privat den Lockdown erlebt?
Schwierig, da er mit dem Tod meines Vaters zusammenfiel. Das Begräbnis musste aufgrund der Covid-Bestimmungen in den Juni verschoben werden, was ein Vakuum hinterlassen hat. Zudem hat man viele Verwandte und Bekannte gar nicht gesehen. Es kam mir manchmal vor, als seien wir aus der Zeit gefallen. Ferner war der Lockdown bei mir wie in vielen Familien geprägt durch Homeschooling und Home Office. Meine Kinder haben aber sehr gut mitgemacht. Ich bin stolz, wie sie die Situation gemeistert haben.

Wie hast du den Lockdown als Politikerin erlebt?
Turbulent. Es mussten sehr rasch sehr viele Entscheidungen von grosser Tragweite in den Kommissionen und in der Fraktion getroffen werden. Des Weiteren habe ich ausserordentlich viele Nachrichten bekommen: «Ihr macht zu wenig!», schrieben die einen, «Ihr macht viel zu viel!», meinten andere. Bei Dritten war ein Hang zu Verschwörungstheorien & Co. zu spüren.

Wie hast du den Zivildienst im Lockdown erlebt?
Fast gar nicht. Das finde ich schade. Laut geltendem Pandemie-Plan des Bundes ist ja in einer solchen ausserordentlichen Lage der Zivildienst zu aktivieren, um einen personellen Beitrag zur Betreuung und Pflege zu leisten. Ich will den Einsatz der Armee nicht schmälern, sie macht einen guten Job. Aber eigentlich ist dieser so einfach nicht vorgesehen. Viel mehr Sinn macht es, auf den Zivildienst zu setzen, Zivis schnell zu aktivieren und einzusetzen. Wieso das so langsam vonstatten ging, muss nun aufgearbeitet werden.

Was ist für dich die wichtigste Erkenntnis aus dem Umgang der Schweiz mit Corona?
Die aktuelle Krise zeigt, dass ein integrierter Ansatz besser ist, als wenn man einzelne Dienstformen gegeneinander ausspielt. Man muss die Dienstformen Zivildienst, Armee und Zivilschutz zusammendenken. Wir haben es nun einmal auch mit grossen zivilen Risiken zu tun, nicht nur mit konventionellen militärischen Risiken. Der Begriff der Sicherheit muss breit(er) verstanden werden.

Warum engagierst du dich für Zivildienst-retten.ch?
Der Zivildienst ist in meiner Generation gut verankert. Er spielt in der Schweizer Gesellschaft eine wichtige Rolle: Im Jahr 2018 wurden allein im Sozial- und Gesundheitswesen über 1,2 Millionen Diensttage geleistet. Nun sollte mit der Gesetzesrevision der Zugang zum Zivildienst erschwert werden, um die Abgänge aus der Armee zu reduzieren. Das ist für mich der falsche Weg. Dienstpflichtige könnten versuchen, auf den «blauen Weg» auszuweichen und das Dienstpflichtsystem aus medizinischen Gründen verlassen. Oder sie könnten trotz fehlender Motivation in der Armee bleiben, was der Armee langfristig mehr schadet als nützt.

Was läuft deiner Meinung nach schief in der Diskussion rund um Zivildienst, Armee und Zivilschutz?
Meiner Meinung nach darf man nicht den einen Dienst für einen anderen in den sauren Apfel beissen lassen. Wir müssen das Dienstpflichtsystem als Ganzes stärken – und das heisst eben, dass alle Teilsysteme gestärkt werden müssen. Die Armee sollte attraktiver gemacht werden und nicht der Zivildienst weniger attraktiv.

Wie soll es weitergehen mit der Dienstpflicht?
Ich bin für gleiche Pflicht für alle. Die Dienstpflicht muss weiterentwickelt werden, um mit den Herausforderungen der Zukunft mithalten zu können. In einem solchen «Dienst für alle» können sich junge Frauen und Männer zwischen Armee und Zivildienst frei entscheiden. So kann das Potenzial der Dienstpflichtigen besser genutzt werden.
Alle systemrelevanten Bereiche sollen mitgedacht werden – beispielsweise auch das Gesundheitswesen und die Kinderbetreuung, sekundär auch die Schulen. Im Übrigen kann ein solcher allgemeiner Bürgerdienst junge Menschen dabei unterstützen, den eigenen Platz in der Arbeitswelt besser zu finden. Der Armee- oder Zivildienst der Zukunft könnte in der Aus- und Weiterbildung angerechnet oder mit einem Sprachkurs kombiniert werden.

Corina Gredig sitzt für die GLP (ZH) im Nationalrat, ist Co-Präsidentin der GLP des Kantons Zürich und leitet den Thinktank glp lab.